Vor mehr als einem Jahr schloss die Galeria Karstadt Kaufhof Filiale an der Kirchgasse endgültig ihre Pforten. Seitdem werden die Schaufenster unter dem Motto „Deine Stadt – Deine Leidenschaften“ von verschiedenen Organisationen gestaltet, um eine noch größere Trostlosigkeit zu verhindern. Viel mehr ist seitdem zumindest sichtbar nicht geschehen, eines der größten Gebäude der Fußgängerzone steht nicht nur weiterhin leer, sondern noch ist völlig unklar, was damit passieren soll. Das ruft natürlich sofort die Schreihälse auf den Plan, die den städtischen Politikern automatisch Unfähigkeit vorwerfen, in diesem Fall ist das aber unbegründet.
Ehemalige Karstadt- oder Kaufhof-Filialen stehen im Schnitt vier bis fünf Jahre leer, bevor sie wieder genutzt werden können oder an ihrer statt ein neues Gebäude errichtet wird. Allerdings kann es auch deutlich länger dauern bis ein Leerstand beendet werden kann. In Velbert wurde 2018 eine ehemalige Hertie-Filiale abgerissen, die seit 2009 leerstand. Bis 2027 soll dort ein Gebäude mit kombinierter Nutzung aus Handel-, Gastro-, Wohn- und Bürofläche entstehen.
Allein von den während der ersten Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof im Jahr 2020 geschlossenen Filialen steht noch rund die Hälfte leer.
Oft werden die Gebäude in Einkaufszentren umgebaut, wie die 2003 geschlossenen Hertie-Filiale, die seit 16 Jahren das Luisenforum beherbergt. Andere Städte wie etwa Hanau haben die ehemaligen Warenhäuser gekauft und versuchen sie mit eigenen Nutzungskonzepten wiederzubeleben. Etwa dass städtische Behörden dort einziehen, Ärztezentren eingerichtet werden oder Verkaufsflächen für lokale Händler entstehen. In anderen Städten wie Herne, Dortmund oder Düsseldorf zogen Fitnessstudios, Bibliotheken, Einzelhändler oder Supermärkte als Ankermieter ein, manchmal werden ehemalige Verkaufsflächen in Büros verwandelt.
Angesichts der leeren Stadtkasse scheint es jedoch unwahrscheinlich das die Stadt Wiesbaden als Käufer auftritt, zumal dann immer noch unklar ist, wie das Gebäude genutzt werden soll. Das Bürgerbüro an der Marktstraße wurde erst neugebaut und 2021 eröffnet. Die wirtschaftliche Lage dürfte es ebenfalls nicht leichter machen, private Investoren zu finden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das ehemalige Kaufhof-Gebäude schon bald wieder genutzt werden kann, scheint also gering, ein längerer Leerstand dafür umso wahrscheinlicher. Immerhin ein Gutes hätte ein weiterer Leestand: Die örtlichen Vereinen und Institutionen können sich weiterhin in den Schaufenstern präsentieren.