FALK FATAL stellt die Raumfrage

In der Stadt herrscht Wettbewerb zwischen Räumen. Wohnraum, Parkraum, Kulturraum, Spielraum, Lebensraum – sie alle konkurrieren miteinander. Denn Freiraum ist begrenzt. Die Stadt hat nur eine bestimmte Menge an Platz zu bieten. Besonders in einem der dichtestbesiedelten Stadtvierteln Deutschlands wie dem Westend, wo Raum per sé knapp ist.

Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass die Umwidmung des Elsässer Platzes einige Gemüter erhitzt. Denn hier kollidieren die Rauminteressen aufs Schärfste. Die größte Freifläche im Viertel, mit der die einen Kindheitserinnerungen an Zuckerwatte, Frühlingsfest und Karussell verbinden und anderen dem kostenlosen Parkplatz nachtrauern, soll zum Quartiersplatz mit Parkanlage werden. Kostenloser Parkraum soll Spiel- und Lebensraum weichen.

Das gefällt nicht allen. Besonders den Parkplatzbeweinern, die jede Umnutzung öffentlicher Freiflächen, die auch als Parkplatz dienen könnten, betrauern, als hätten sie gerade das erstgeborene Kind verloren oder der Benzinpreis wäre um fünf Euro gestiegen.

Ich kann das sogar ein Stück weit verstehen, besonders im Fall des Elsässer Platzes. Dieser war oftmals für viele, auch Nichtviertelangehörige, die letzte Hoffnung irgendwie einen Parkplatz zu finden. Auch der Autor dieser Zeilen hat den Platz – besonders zu nächtlicher Stunde – schon angesteuert, in der Hoffnung nach stundenlangem Kreisen um den Block wenigstens hier einen Parkplatz zu finden.

Der Wegfall solch einer Freifläche, erhöht den Parkdruck. Das neuerrichtete Parkhaus, das als Ersatz für die weggefallenen Parkplätze dienen soll, mindert diesen nur bedingt. Nicht alle haben dort einen festen Parkplatz erhalten, andere können oder wollen sich keinen Dauerparkplatz im Parkhaus leisten, für sie wird die Parkplatzsuche noch schwerer. Selbstverständlich gibt es kein natürliches Recht auf kostenlosen Parkraum, ein wenig verstehen kann ich den Unmut trotzdem.

Letztlich ergeht es den kostenlosen Parkplätzen nicht anders als niederschwelligen, unkommerziellen Kulturangeboten, die es immer schwerer haben einen Platz zu finden, und lukrativeren Angeboten weichen müssen. Raum ist rar in einer wachsenden Stadt und gemäß der vorherrschenden kapitalistischen Logik muss er sich vor allem lohnen.

Auch wenn der Elsässer Platz aktuell noch ziemlich trist wirkt, freue ich mich auf den Park, der dort entstehen wird und die lauschigen Sommerabende, die zum Verweilen einladen werden. Das Mehr an Lebensraum überwiegt das Weniger an Parkraum deutlich. Bitte mehr davon.

Veröffentlicht in Sensor Wiesbaden #123

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