FALK FATAL nach Corona

Falk Fatal nach Corona

Der Himmel ist blau, die Sonne ist fast nie von Wolken verdeckt, die Temperaturen klettern in die Höhe und kaum ist der Sommer endlich da, sinken die Inzidenzen und das Leben beginnt langsam wieder, sich zu normalisieren. Die Menschen strömen auf die Straßen, die Parks sind voll mit Familien und ihren spielenden Kindern und jungen Leuten, die die Sonne genießen, und die Fußball-EM macht auch mehr Spaß, wenn Zuschauer:innen in den Stadien sind. Die Freibäder laden zum Kopfsprung ein und noch viel wichtiger: die Außengastronomie hat wieder geöffnet. Die Außengastronomie! Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Wort in den vergangenen Wochen gehört habe, aber es war oft. Neulich bin ich sogar gefragt worden, ob ich die Außengastronomie schon genutzt habe? So haben wir vor Corona jedenfalls nicht geredet. Da hieß es einfach: „Draußen nur Kännchen!“

Fast scheint es so, als sei der Coronaspuk vorbei, nur vereinzelte Masken, die an Handgelenken baumeln oder unter dem Kinn hängen, zeugen noch von der Pandemie. Der Neustart wirkt wie ein Dejà-vu aus dem vergangenen Jahr. Doch jetzt ist die Hoffnung berechtigt, – wenn nicht doch noch eine Killermutation auftritt oder die Schwurbler:innen recht hatten und wir alle von Bill Gates gechippt wurden, – dass wir das Schlimmste hinter uns haben.

Wir können uns anderen Fragen widmen. Zum Beispiel: Wie wird das Leben nach Corona sein? Diese Frage wartet seit Ausbruch der Pandemie schließlich auf eine Antwort, auch wenn sich viele Zukunftsforscher:innen immer wieder daran versucht haben. Die Krise sei eine Chance, meinten einige. Corona sei der langersehnte Wendepunkt. Nach der Pandemie würden die Menschen wieder freundlicher miteinander umgehen, das Leben würde sich entschleunigen und überhaupt würde alles viel besser werden. Zumindest der Radfahrer, der mich zuerst auf dem Zebrastreifen fast über den Haufen fuhr und anschließend als dumme Drecksau beschimpfte, hat noch nichts davon gehört, das wir nach Corona alle freundlicher miteinander umgehen werden. Und wenn ich mir meine Umwelt so anschaue, gibt es einige Menschen mehr, die von dem Wind of Change noch nichts mitbekommen haben. Aber genau genommen sind wir ja auch noch in Corona. Vielleicht kommt der Radfahrer mit weiter sinkenden Inzidenzen doch noch zur Einsicht und entschuldigt sich das nächste Mal, wenn er mich auf dem Zebrastreifen rammt.  

Ich glaube trotzdem nicht, dass die Welt nach Corona so viel anders als die Welt vor Corona sein wird. Und es wird uns nicht weiter stören. Wir werden einfach froh sein, das es nicht mehr so schlimm ist wie während Corona. Immerhin.

Genießt den Sommer!

Erschienen im Sensor Wiesbaden #95

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