Corona Melancholie

Corona Melancholie

Ich war Samstagabend mit Bailey, unserer Hündin, draußen in Richtung Innenstadt. So gegen 22 Uhr. Noch nie habe ich den Sedanplatz so leer, so ruhig erlebt. Normalerweise ist hier am Wochenende die Hölle los. Die kleine Partymeile des Westends. Kneipen dicht an dicht und die Leute stehen in und vor den Läden, quatschen, rauchen, trinken, lachen. Doch gestern Abend war niemand da. Nur der Besitzer des Döner-Imbiss saß vor seinem Laden allein mit einer Flasche Raki.

Wenn alles zu schwinden droht, spendet Alkohol wenigstens Trost. Für kurze Zeit. Bis der große Kater einsetzt.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Die Kneipen sind dunkel, der Platz ist leer. Selbst die Hansa-Korn-Fraktion, die sonst bis spät in die Nacht vor dem Kiosk sitzt, hält sich ans Ausgehverbot.

Ich laufe weiter die Straßen entlang, vorbei an Läden, die hier schon ewig sind. Andere sind neu dazugekommen. In einem halben Jahr werden einige nicht mehr da sein. Vielleicht wären sie das auch ohne Shutdown, aber jetzt ist ihr Schicksal besiegelt.
Es ist ein schleichender Tod.
Wen erwischt es zuerst?
Das Reisebüro?
Den Orion?
Die Buchhandlung?
Den Dönerladen?
Das Stehcafé?
Den Bäcker?
Eine der Kneipen?
Keine Ahnung. Aber es wird einige erwischen. Manche müssen gehen. Nur die Melancholie bleibt.

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