Telegramm für Batman

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Keine gute Woche für das G. Während sich 1G, 2G, 2G+ und 3G darum kloppen, wer die beste Zugangsbeschränkung ist, und der bayrische Verwaltungsgerichtshof 2G aus dem Einzelhandel verbannt hat, steht plötzlich der große Bruder 5G unter Verdacht. Die Flugzeughersteller Airbus und Boeing behaupten 5G würde ihre Flugzeuge abstürzen lassen. Warum wir deshalb schon vor Jahren, lange vor 5G, bei Flügen unsere Smartphones in den Flugmodus schalten mussten, haben sie nicht erzählt. Auch nicht, für was der Flugmodus überhaupt gut ist, wenn er nicht vorm Absturz schützt. Flugreisen werden künftig noch mehr zur Gewissensfrage: Schnelles Internet oder sicher Landen.

Angela Merkel ist seit einigen Wochen keine Bundeskanzlerin mehr, doch diese Woche hat sie sich mit einer schönen Links-Rechts-Kombination zurückgemeldet.

Ich bin ein großer Schallplattenfreund. Meine erste Schallplatte habe ich 1988 gekauft. Es war eine Scheibe von den Bee Gees. Ich bin nicht stolz darauf, doch damit begann die Begeisterung für das „schwarze Gold“. Mehr als 30 Jahre später ist diese Begeisterung ungebrochen. Die Schallplatte ist immer noch mein bevorzugtes Medium zum Musikhören. Doch wie lange wird es die Schallplatte noch geben? Oder besser gefragt: Wie lange noch werden sich Indielabels und -künstler:innen es sich leisten können, Schallplatten zu veröffentlichen? Wer sich nur ein bisschen für das Thema Vinyl interessiert, dürfte mitbekommen haben, dass der gegenwärtige Boom eine große Schattenseite hat. Über diese Schattenseite habe ich mich mit Björn Bieber unterhalten, dem bis Ende 2021 das Schallplattenpresswerk Flight13 Duplication gehört hat. Das Gespräch könnt ihr in Folge 106 des Polytox Podcast hören, der am 23. Januar 2022 erscheinen wird.

Bullshit der Woche

Als König David vom Tod König Sauls in der Schlacht am Berg Gilboa erfuhr, ließ er den Überbringer der Nachricht von einer seinen Wachen erschlagen. Seitdem hat sich unsere Reaktion auf schlechte Nachrichten nicht wesentlich verändert. Wir töten zwar nicht mehr, wenn uns jemand eine schlechte Nachricht übermittelt (auch, wenn wir manches Mal vielleicht große Lust dazu hätten), aber die manchmal berechtigte, manchmal nicht so berechtigte Erzürnung darüber, lassen wir die Überbringer:innen oft genug spüren. Selbst wenn es sich um etwas so Triviales wie eine Meldung auf einer Nachrichtenwebsite handelt, die uns nicht gefällt. Sofort wird mit Abokündigung gedroht (selbst wenn man gar kein Abo des betreffenden Mediums hat) oder das man das betreffende Newsoutlet in den sozialen Medien entfolgt. Das ändert zwar überhaupt nichts am Sachverhalt, aber wir fühlen uns dadurch irgendwie besser.

So ähnlich muss es wohl Nancy Faeser mit Telegram gehen. Mal verlangt sie das Apple und Google den Messengerdienst aus ihren Stores entfernt, mal will sie ihn gleich abschalten lassen. Wie das gehen soll, lässt sie unerwähnt. Der Betreiber sitzt zurzeit wohl in Dubai, ein Mahnschreiben des Bundesjustizministeriums hat er unbeantwortet gelassen, Verstöße gegen deutsche Gesetze werden nicht unterbunden. Hass und Hetze können über Telegram weiterhin verbreitet werden, ganz egal, ob Nancy Faeser oder mir das gefällt oder nicht. Selbst wenn es gelingen sollte, Telegram bei Apple und Google aus den Appstores zu verbannen, kann die App aus anderen Quellen auf das Handy geladen und die Desktop-App genutzt werden. Selbst eine Abschaltung von Telegram wird die Verbreitung von Hass und Hetze nicht stoppen. Dann nutzen die Hetzer:innen einfach einen anderen Dienst, genügend Alternativen gibt es ja. Wenn Nancy Faeser wirklich ihre Zeit auf eine Telegram-Abschaltung verschwenden sollte, wäre das sehr schade, denn es wäre reine Symbolpolitik und würde den Kampf gegen Hass und Hetze kein Stück weiterbringen.

Hörtipp

Fucked Up – Epics in Minutes

Wenn er nicht schon seit Jahrzehnten durch den Sprachgebrauch wabern würde, hätte der unter Rockmusikliebhaber:innen bekannte Begeisterungsausspruch „Was für ein Brett“ für dieses 2007 veröffentlichte Album erfunden werden müssen! „Epics in Minutes“ von Fucked Up ist eine großartige Zusammenstellung der frühen Singles der kanadischen Hardcoreband. Die Lieder haben Power, haben Wut, haben Melodie und begeistern mich heute genauso wie damals.

Der Batmanfan der Woche

arbeitet für die Missouri State Highway Patrol und möchte die Handlanger des Jokers aus dem Verkehr ziehen.

The mistake alert said that police were searching for the car used by the Joker in the 1989 “Batman” movie.

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