Aufmerksamkeitsökonomie

Eine fatale Woche

Die erste Woche des neuen Jahres ist vorbei und bislang muss ich sagen: im Vergleich zu 2021 schlagt sich 2022 gar nicht mal schlecht. Kein Affenhaus brannte, kein rechtsextremer Mob hat das Kapitol gestürmt. Ich bin gespannt, wie lange der positive Vibe anhalten wird. Kasachstan hat er auf jeden Fall nicht erreicht.

Aufreger-Highlight der Woche war ganz klar die Sonderfolge Border Patrol Australia mit Novak Djokovic und vor allem die Reaktionen seines Vaters, der seinen Sohn auf eine Stufe mit Jesus stellte. Was irgendwie keinen Sinn macht, denn Jesus wurde schließlich gepiekst, Novak Djokovic offensichtlich nicht.

Die Frotzeleien mal kurz beiseite gelegt, zeigt der Fall Djokovic gut, wie schlecht unsere Aufmerksamkeitökonomie funktioniert. Ein Thema, das außerhalb des Tenniskosmos keinerlei Bedeutung hat, weil es keinerlei Auswirkung auf unser Leben hat, trendet bei Twitter und wird in manchen Medien zum Teil sogar mit Liveticker begleitet. Wichtigere Themen, haben dieses „Glück“ nicht.

Podcasttipp

Ich bin ein großer Freund der Podcastserie „Slow Burn“. Die Podcast-Reportage/Dokuserie wird vom US-amerikanischen Onlinemagazin Slate produziert. Jede Staffel widmet sich einem Thema und beleuchtet dieses ausführlich mit Zeitzeugenstimmen und Originalaufnahmen. Vergangene Staffeln handelten zum Beispiel vom Watergate Skandal, dem Clinton Impeachment oder dem Irak-Krieg. Die aktuelle Staffel „The L.A. Riots“ widmet sich der Polizeigewalt gegen Rodney King und deren Folgen. Die insgesamt acht Folgen sind großartig produziert, detailreich erzählt und brachten zumindet für mich einiges Neues zu Tage.

Leseempfehlung

2084. Ich habe selten ein deprimierende es Buch gelesen als dieses. Basierend auf dem heutigen Stand der Klimaforschung macht das Buch Vorhersagen, wie es im Jahr 2084 aussehen wird und was dorthin führte. Wenn es wirklich kommen sollte, dann gute Nacht. Für mich Laien eine recht plausible Dystopie, die durch das wohl baldige Abbrechen des Thwaites Gletschers, von manchen auch Doomdays Glacier genannt, nur noch realistischer wird. Wenn dieser Gletscher wirklich ins Meer bricht, wird der Meeresspiegel wohl bis zu einem Meter ansteigen. Keine gute Aussichten für Rotterdam. Gute Laune macht diese Lektüre jedenfalls nicht. Gelesen haben sollte man das Buch aber trotzdem.

Musiktipp

The Chisel – Retaliation

Eigentlich ist das Album schon voriges Jahr erschienen, aber da die bestellte LP erst diese Woche bei mir ankam, kann ich kurz ein paar Zeilen darauf verwenden. Lange hat mich kein Album so begeistert wie dieses. Straighter Punk mit deutlichen Hardcore- und Oi-Einflüssen. Die Lieder sind eingängig, aber nicht gefällig, und mit dem Titelsong und „What was mine“ sind zwei absolute Hits vertreten, was die Qualität der übrigen Lieder nicht schmälern soll. Fazit: No fillers, just killers. Hammerscheibe!

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