FALK FATAL zieht Corona-Bilanz

Falk Fatal

Vor etwas mehr als einem halben Jahr waren die ersten Berichte über ein neuartiges Virus zu lesen, das im fernen China ausgebrochen ist. Die Wenigsten nahmen hierzulande wirklich Notiz davon. Erst als am 21. Januar bestätigt wurde, das eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist, China die ersten Lockdown-Maßnahmen verhängt hat und kurz darauf in Europa die ersten Fälle gemeldet wurden, war es hierzulande wirklich ein Thema. Knapp einen Monat später riegelte Italien seine Städte im Norden ab und spätestens als Anfang März Heinsberg unter Quarantäne gestellt wurde, hatte die Pandemie auch Deutschland vollends erreicht.

Es folgten verschiedene Schutznahmen, die das öffentliche Leben und die Wirtschaft zum fast vollständigen Erliegen brachten. Die Einschränkungen waren im Vergleich zu anderen Ländern zwar deutlich milder, halfen aber, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das zeigt auch der Vergleich mit Ländern in denen Faschisten wie Trump und Bolsonaro oder Populisten wie Johnson regieren. Dort hat das Virus deutlich mehr Menschen das Leben gekostet als in Ländern, in denen die Regierenden Wissenschaft nicht als Teufelszeug betrachten.

Nicht wenige hofften anfangs, dass diese Krise letztendlich dazu führen würde, den seit Jahrzehnten stattfindenden neoliberalen Rollback aufzuhalten. Plötzlich wurde deutlich, wie wichtig für die Gesellschaft Berufe sind, die früher als „Bullshit-Jobs“ bezeichnet worden waren. Plötzlich wurde eine bessere Bezahlung und Ausstattung von Pfleger*innen gefordert, wurde für sie jeden Abend applaudiert. Für einen Wimpernschlag sah es so aus, als würden wir aus der „Corona-Scheiße“ etwas lernen.

Doch bevor das zarte Pflänzchen der Solidarität weiter wachsen und widerstandsfähig werden konnte, meldeten sich die Egoisten zurück, übernahmen die Covididioten die Diskussion. Je absurder das Geschwafel, desto lauter der Widerhall. Jetzt ging es nur noch darum, die Wissenschaft gegen krude Verschwörungsfantasien zu verteidigen, und nicht mehr darum, die richtigen Lehren aus der Pandemie zu ziehen.

Seit einigen Wochen werden die Einschränkungen schrittweise zurückgenommen und eine gewisse fragile Normalität kehrt zurück. Für Pfleger*innen applaudiert niemand mehr. Und ob die Systemrelevanz des Einzelhandels und der Logistik in den nächsten Tarifverhandlungen sich für die Beschäftigten finanziell auszahlen wird, bezweifele ich.

In China scheint derweil die lange befürchtete zweite Welle zu starten, während weltweit die Zahl der täglichen Neuinfektionen und Sterbefälle der ersten Welle immer neue Höhepunkte erreicht. Die „Corona-Scheiße“ ist leider noch lange nicht vorbei. Wir können nur kurz durchatmen.

Erschienen im Sensor Wiesbaden #85

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