FALK FATAL im Corona-Shut-Down

In einer ersten Version dieser Kolumne wollte ich mich über die Corona-Hysterie lustig machen. Über die Hamsterkäufe der Menschen, die ihren SUV jetzt auf der Straße parken, um die Garage mit Klopapier und Nudeln zu füllen. Wollte positiv hervorheben, dass sich dank Corona Männer endlich die Hände waschen und das Klima profitiert, weil die CO2-Belastungen sinken, wenn das öffentliche Leben zum erliegen kommt. Das war vor einer Woche, kurz bevor Italien das gesamte Land unter Quarantäne gestellt hat.

Jetzt am 15. März ist der Spaß einem Galgenhumor gewichen, der sich fragt, warum so viele Menschen vor allem Toilettenpapier wie verrückt horten. Zur Not tut es doch auch ein Waschlappen oder man spült sich das Arschloch schnell in der Dusche aus (was eigentlich die hygienischste Variante ist).

Was wir gerade erleben, ist eine Naturkatastrophe in Zeitlupe. Das öffentliche Leben ist weitgehend lahmgelegt. Die halbe Welt macht den Laden dicht und geht auf Betriebsferien. Ab heute für unbestimmte Zeit geschlossen. Wir hoffen, bald wieder öffnen und dann einfach weitermachen zu können. Doch ich glaube, wir werden danach nicht weitermachen können wie bisher. Es ist ja noch nicht einmal klar, wann wir den Laden wieder öffnen können. Deshalb sollten wir nicht einfach so weitermachen, sondern die richtigen Lehren aus dem Outbreak ziehen.

Wir sollten endlich aufhören, den neoliberalen Hasspredigern zu glauben, die meinen, der Markt wird es schon richten. Der Markt hat es gerichtet und den Krankenhäusern fehlen jetzt die Kapazitäten, um mit dem erwarteten Ansturm an Patienten klarzukommen. Es wird offensichtlich, das Lohnfortzahlung im Krankheitsfall keine dumme Idee ist. Und das Fakten die Realität machen und nicht unser Wunschdenken.

Diese Pandemie macht dreierlei deutlich: Wir sind alle gleich. Sars-CoV-2 unterscheidet nicht nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Einkommenshöhe. Unsere Grenzen sind, was sie letztendlich immer waren und sind: imaginäre Linien. Sars-CoV-2 lässt sich nicht von Zäunen, Mauern oder Grenzschutzbeamten aufhalten. Und Sars-CoV-2 zeigt, das es Gefahren gibt, denen wir alle schutzlos ausgeliefert sind (zu denen auch der Klimawandel gehört). Diesen können wir nur mit Wissenschaft, Schulmedizin, internationale Zusammenarbeit und Solidarität trotzen und nicht mit den Lügen, der Kleinstaaterei und Hetze der Populisten und Faschisten von AfD und Co.

Es liegt an uns, was wir aus dieser Pause machen: werden wir uns danach zerfleischen oder werden wir gemeinsam und solidarisch versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und die Welt zu einem besseren Platz für alle zu machen? Ich fürchte ersteres und hoffe auf letzteres.

Erschienen im Sensor Wiesbaden #83

Anmerkung: Die Kolumne habe ich am 15. März geschrieben, veröffentlichtwurde sie am 1. April

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