FALK FATAL und die Freiheit

Das Jahr ist noch jung und doch durften wir schon einer Diskussion beiwohnen, die vermutlich eine der schrillsten des Jahres werden dürfte: die Diskussion um ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Eine Klimakommission der Bundesregierung hatte ein solches empfohlen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Plötzlich bekamen Befürworter eines Tempolimits ein Gefühl dafür, wie es sein muss, im Mittleren Westen der USA ein Schusswaffenverbot zu fordern. Die Reaktion von Bundesautominister Andreas Scheuer nach Bekanntwerden der Empfehlung ließ nicht lange auf sich warten. Er nannte die Überlegungen „gegen den Menschenverstand gerichtet“.

Jetzt ist es mit dem Menschenverstand so eine Sache. Es gibt schließlich auch genügend Menschen, die finden Tempo 180 und Blinker links im Dauereinsatz sei „gegen den Menschenverstand gerichtet“. Wer hat nun Recht? Ein gutes Argument sieht anders auch.

Da es entgegen Scheuers Meinung eben doch gute Gründe für ein Tempolimit gibt – weniger CO2 und mehr Verkehrssicherheit zum Beispiel –, musste schließlich das Totschlagargument schlechthin herhalten, die Extra-Power, die den Endgegner platt macht, die Little Boy und Fat Man jeder Diskussion: die Freiheit! Die ist nämlich bedroht, wenn ein Tempolimit eingeführt werden würde.

Mit der Freiheit kann man gut argumentieren. Denn wer ist schon gegen die Freiheit? Niemand. Die wird schließlich auch in er Nationalhymne besungen, nach der Einigkeit und dem Recht. Also lasst uns mehr Freiheit wagen!

Gurtpflicht? Einschränkung der Freiheit! Weg damit! Alkoholverbot am Steuer? Einschränkung meiner Freiheit! Ich kann nach acht, neun Bier schließlich noch fahren! Also weg damit! Rote Ampeln? Schränken meine Freiheit ein! Einbahnstraßen? Schränken meine Freiheit ein! Tempo 30 vor Schulen? Einschränkung meiner Freiheit! Wenn die Kinder nicht rechtzeitig zur Seite springen, ist das schließlich nicht mein Fehler! Also weg damit!

Ich könnte die Liste noch ewig weiter führen, doch schon diese kurze Aufzählung dürfte zeigen, dass sich mit Freiheit jeder Quatsch rechtfertigen lässt. Es gibt gute Gründe, die Freiheit in bestimmten Bereichen einzuschränken. Und der Verkehr ist einer davon. Wenn alle so fahren würden, wie sie wollten, gäbe es noch viel mehr Tote und Verletzte als jetzt schon. Allein in den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten um rund 60 Prozentpunkte gesunken – auch weil die Freiheit eingeschränkt wurde.

Die Freiheit ist ein hohes Gut. Wir können froh sein, in einem der freisten Länder der Welt zu wohnen. Wir sollten die Freiheit bewahren und nicht als Totschlagargument missbrauchen, wenn uns die Argumente ausgehen.

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